3 Familien-Krisen, die viel häufiger sind, als gedacht
Ihr glaubt, ihr seid allein? Ihr müsst euch nur ein bisschen mehr zusammenreißen und dann wird das schon? Weit gefehlt!
In diesem Artikel lernt ihr 3 Krisenfelder kennen, die viel häufiger zu finden sind als gedacht. Dazu passend Denkansätze, die dazu beitragen können, dass wir uns doch nicht mehr so allein und so allein-verantwortlich fühlen. Am Ende des Artikels habe ich außerdem noch einige gute Anlaufstellen notiert, die uns allen im Zweifelsfall schnell und unbürokratisch zur Seite stehen.
1. Krisenfeld: Psychische Probleme:
Die Denkweise von noch zu vielen Betroffenen:
“Mir geht es gerade wirklich nicht gut. Psychisch. Das ist so schon nicht einfach. Und dann noch die Kinder… Ich versuche alles, damit sie nicht leiden, aber trotzdem zweifle ich so oft. Und ich bin damit so allein! Sonst bekommen doch alle ihr Leben auf die Reihe!”
Die Realität:
Das Bundesgesundheitsblatt berichtete, dass bereits 2022 21,5% aller Eltern “einer moderaten bis klinisch bedeutsamen psychischen Belastung” ausgesetzt waren. Das entspricht rund 1/5 aller Eltern – und natürlich deren Kindern. Auf eine Klassenstärke von 25 Kindern umgerechnet, ist die Wahrscheinlichkeit damit hoch, dass mindestens 5 Kinder schon Erfahrungen mit psychischen Krankheiten wie Depressionen oder Angststörungen bei ihren Eltern haben. Allein auf weiter Flur? Weit gefehlt!
Und ja, auch die im Bundesgesundheitsblatt benannte Studie ergab, dass psychische Erkrankungen es häufig mit sich bringen, an der eigenen Kompetenz zu zweifeln und sich Betroffene eher weniger selbstwirksam einschätzen. Auch geht die eigene Erkrankung manchmal nicht spurlos an den Kindern vorüber. Doch all dies macht euch nicht zu schlechteren Müttern und Vätern. Denn diejenigen, die sich Gedanken machen, Hilfe suchen und annehmen, ihre Kinder unterstützen und fördern – die machen alles richtig. Egal, ob psychisch krank oder nicht.
2. Krisenfeld: Mental Load
Die Denkweise von noch zu vielen Müttern:
“Ich habe so oft den Eindruck, dass ich gar nicht mehr abschalten kann. Bei anderen sieht das Familienleben immer so einfach und leicht aus. Bei uns bin ich schon froh, wenn ich die einfachen und leichten MOMENTE nicht einfach übersehe. Die Liste in meinem Kopf hört nie auf! Ich muss mich wirklich noch besser organisieren!”
Die Realität:
“Wenn der Kopf nicht mehr abschaltet” so titelte die HKK 2025 ihren Gesundheitsreport über Mental Load und Müttergesundheit. Und diese Beschreibung trifft es ziemlich genau. Denn die im Rahmen des Reports durchgeführte repräsentative Befragung von Müttern und Vätern ergab, dass sage und schreibe 46% der Mütter (fast) immer “an Dinge, die noch erledigt, geplant oder organisiert werden müssen” denken. Bei weiteren 48% ist das noch “häufig” der Fall. 94% von uns Müttern sind also quasi immer “on air”. Bei anderen läuft es “einfach” so? Die 6 von 100 müssen erstmal gefunden werden. Dazu kommt: 62% der befragten Mütter gaben an, sich durch diese Planungs- und Organisationsaufgaben “(sehr) stark” belastet zu fühlen. Bei anderen läuft es “leicht”? Na ja. Bei einigen fühlt es sich vielleicht leichter an. Was diese “leichtfüßigen” Mütter vor allem von den stärker Belasteten unterscheidet? Nicht ihre gute Organisationsfähigkeit… sondern dass sie “häufig bewusste Auszeiten oder Pausen” realisieren können. Es kommt also anscheinend NICHT darauf an, die eigene Zeit noch besser einzuteilen – sondern sie wo möglich für die eigenen Bedürfnisse zu nutzen.
3. Krisenfeld: Burnout
Die Denkweise von noch zu vielen Eltern:
“Stress gehört zu meinem Leben einfach dazu. Es gibt halt auch viel zu tun – und irgendwann wird es auch wieder besser. Bis dahin beiße ich mich halt durch, wird schon nichts passieren!”
Die Realität:
Was stimmt: Fragt man Eltern, stimmen 28% zu, von ihren “Aufgaben und Pflichten im Alltag” “sehr belastet” zu sein. “Etwas” belastet waren immerhin noch 51% der Befragten (Körber Stiftung, 2025). Damit fühlten sich insgesamt 79% der Eltern im Alltag unter Druck. Ein Massenphänomenen. Doch “einfach durchbeißen”? Keine gute Idee. Denn auf der anderen Seite schätzen 16% der von der Pronovia BKK befragten Eltern ihr Burnout-Risiko als “hoch” ein (Pronovia BKK, 2025). Der Zusammenbruch von “wird schon werden”? Nicht mehr weit entfernt.
Die Gründe sind vielfältig: Gesellschaftlicher Druck, das Gefühl allein zu sein, zu wenig Zeit für sich selbst und die eigene Partnerschaft, Vereinbarkeitsprobleme, finanzielle Unsicherheiten… – um nur einige Faktoren zu nennen (Körber Stiftung, 2025).
Nicht all diese Probleme können wir selbst direkt lösen. Doch schon die Auseinandersetzung mit einem schwierigen Thema wie Vereinbarkeit kann dazu führen, dass wir uns langsam aus alten Denkmustern lösen. Dass wir beispielsweise den Glaubenssatz “Ich muss für alle gleich gut da sein! Job, Familie, Freunde…” als das erkennen, was er ist: eine Farce. Denn wo Zeit begrenzt ist – also bei uns allen – müssen wir uns immer wieder neu entscheiden. Wo investiere ich die mir zur Verfügung stehenden Minuten? Da, wo ich Zeit hineingebe, muss ich sie an anderer Stelle reduzieren. Das ist Physik. Wer das erkennt, hört dann vielleicht auf sich selbst zu geißeln, wenn es in der Kita nicht den zeitaufwändig selbst gebackenen, sondern “nur” den gekauften Kuchen zum Geburtstag des Kindes gibt.
Hilfe!
Und jetzt? Ganz schön viele Familien stehen heutzutage ganz schön unter Last. Doch was können wir tun? Wo gibt es schnelle Hilfe, die im Zweifel auch nichts kostet?
Eltern von Kleinkindern stehen mit den “Frühen Hilfen” für die Beratung rund um die eigenen Elternkompetenzen ein gut ausgebautes Netzwerk zur Verfügung. Schaut doch mal rein!
Auch praktische Unterstützung im Alltag kann Gold wert sein: So unterstützen Ehrenamtliche bei “wellcome” im ersten Jahr nach der Geburt belastete Familien in ihrem Alltag. Hier könnt ihr nach Standorten in eurer Nähe suchen.
Und wer sich einfach mal den Schmerz von der Seele reden möchte, ist bei der Telefonseelsorge in den besten Händen. Die gut ausgebildeten Ehrenamtlichen könnt ihr mittlerweile auf vielen Wegen kontaktieren – nicht nur telefonisch.
Für alle, die sich bei diesen Angeboten nicht sehen gibt es natürlich noch so viel mehr Wege. Mein eigenes Angebot gehört dazu. Coaching als Hilfe zur Selbsthilfe. Achtsamkeit als Weg zu erkennen, wie es uns geht; zu akzeptieren, dass es Dinge gibt, die uns doch mehr belasten als wir das gern hätten – und um neue Kraft zu gewinnen. Durchzuatmen. Und sich dann ganz bewusst zu überlegen: Wenn ich mich in den Beschreibungen der fiktiven Mütter und Väter irgendwie wiedererkenne… was will ich tun, um mich selbst zu schützen? Wieviel Mental Load bin ich bereit zu tragen? Wieviel Stress verträgt mein Alltag und was kann und will ich ändern um diesen zu reduzieren? Wo will ich aufbegehren – auch gegen strukturelle Ungerechtigkeiten?
Ich helfe Euch gern dabei, diese Fragen für Euch zu beantworten. Und so vielleicht zu verhindern, dass aus der momentan hohen Beanspruchung eine ausgewachsene Krise wird. Sprich mich gern an und vereinbare ein unverbindliches Kennenlerngespräch. Ich freue mich auf Euch!
