Wenn die Geduld fehlt: 3 Ansätze (und 7 Fragen), die Euch dabei helfen, gelassener mit Kindern umzugehen.
Wir alle kennen das: das Kind schreit, hat andere Pläne, alles, was wir uns überlegen, greift nicht. Und dann… ist irgendwann Schluss mit Verständnis. Wir werden laut, ungerecht, von liebevoll weit entfernt. Dabei wollten wir doch gelassen bleiben! Hallo, schlechtes Gewissen!
Gerade jetzt zu Neujahr gibt es ihn wieder zuhauf, den Vorsatz: „Ab heute bleibe ich immer gelassen! Ich reagiere geduldig und erkunde liebevoll das Bedürfnis des Kindes!“
Hört sich schön an, oder? Ist aber Quatsch. Warum das so ist und was wirklich dabei hilft, öfter! gelassen zu bleiben, das erfahrt ihr jetzt:
1. Realismus
Immer gelassen bleiben? Immer?! …ist wohl kaum möglich. Erst recht nicht im Umgang mit Kindern.
Auf der einen Seite ist der Umgang mit wütenden Kleinkindern an und für sich schon eine Herausforderung. Denn Prinzipien wie Rücksichtnahme, Geduld oder auch Verständnis für die Belange des Gegenübers sind ihnen noch mehr oder weniger fremd. Das, was wir von anderen Erwachsenen erwarten würden, greift hier nicht. Entsprechend anstrengender sind Auseinandersetzungen.
Auf der anderen Seite braucht Gelassenheit etwas, das uns im Alltag allzu häufig fehlt: ausreichend Energie. Denn wenn wir angezickt, angebrüllt oder sogar geschlagen werden, ist für unser Hirn der erste Impuls: Weg! Oder auch: Angriff! Beides wenig hilfreich. In diesen Situationen ruhig und überlegt zu bleiben erfordert eine riesige mentale Arbeit. Die dazu erforderliche Selbstkontrolle ist immens – und nur schwer zu leisten, wenn wir uns selbst schon ausgelaugt und erschöpft fühlen.
Immer! gelassen bleiben zu können ist damit nichts mehr als die schöne Wunschvorstellung eines Perfektionisten. Und perfekt ist vielleicht einiges – aber nicht der handelnde Mensch. Deshalb hilft es, die eigenen Maßstäbe zu senken. Gerade wenn das eigene Leben voll, von Krisen geschüttelt oder von Herausforderungen gesäumt ist, braucht es eine realistische Vorstellung von dem, was wir erreichen wollen – und können. Ansonsten setzen wir uns selbst unter Druck (siehe Punkt 3) – und verschwenden Energie, die wir nicht haben.
Fragen, die ihr Euch stellen könnt:
1. Was möchte ich ganz konkret erreichen? Also zum Beispiel: Welche typischen Situationen möchte ich gelassener bewältigen? Was soll mir dabei nicht passieren und wie sieht ein alternativer Umgang aus?
2. Wie steht es um mein derzeitiges Energieniveau? Welche Baustellen zehren gerade Kraft? Was kann ich verändern, um auch am Abend noch über Kraftreserven zu verfügen?
2. Selbstmitgefühl und Akzeptanz
Punkt 1 lässt sich auch kürzer lesen: Scheitern ist bei dem Vorhaben, Gelassen zu bleiben keine Option – sie ist Programm. Immer wieder. Deshalb ist es wichtig, eine Haltung zu entwickeln, die Selbstmitgefühl und Akzeptanz an eine der vordersten Stellen hebt.
Wichtig! Selbstmitgefühl unterscheidet sich von Selbtmitleid fundamental. Während wir beim Selbstmitleid ausschließlich uns selbst bemitleiden und das, was wir erleben, als unfair empfinden; schließt Mitgefühl alle Menschen mit ein. Wir ALLE leiden, wenn wir scheitern. Wir ALLE fühlen uns manchmal erschöpft und reagieren nicht mehr so, wie wir es wollen. Und dafür verdienen wir ALLE eine innige Umarmung.
Wer mit sich kämpft und hadert, wer die Situation wie sie jetzt gerade (nicht generell!) ist, nicht akzeptiert, der verliert Energie. Immer wieder. Wer hingegen annehmen kann, dass er oder sie in diesem Moment gescheitert ist und darüber nicht hadert sondern sich selbst in den Arm nimmt, lässt Raum für Veränderung entstehen.
Sich selbst in den Arm zu nehmen, kann beispielsweise mit dem Satz „Die Situation war wirklich schwierig. Für die Kinder – und für mich.“ realisiert werden. Erst dann sind wir frei und haben die Kraft und den Fokus nach vorn zu blicken – auf Punkt 3.
3. Klarheit über die eigenen Stressauslöser
Was lässt uns die Gelassenheit verlieren? Die Antworten darauf sind so vielfältig wie wir Menschen eben sind. Deshalb findet ihr hier einige Fragen, die Euch dabei helfen können, Eure individuelle Antwort zu finden. Denn die braucht es, um nachhaltig Veränderung zu erzeugen. Nur wenn wir ehrlich auf uns selbst und unsere Reaktions- und Denkmuster blicken, können wir unser Verhalten auch verändern.
1. Welches eigene Bedürfnis müsste gerade dringend erfüllt werden, wird aber sogar torpediert?
2. Was sind meine Erwartungen an die Situation? Sind diese Erwartungen realistisch in Bezug auf das Energieniveau oder die Anliegen des Kindes?
3. Welche Glaubenssätze fordern meine Kraft? Beispiel: Kinder müssen pünktlich im Bett sein. / Kinder müssen auf Erwachsene hören. Möchte ich an diesem Glaubenssatz festhalten? Warum ist es wichtig, dass sich ein Kind auf diese Art und Weise verhält?
4. Gibt es schlechte Erfahrungen, an die mich das vom Kind gezeigte Verhalten erinnert? Wenn ja: Was macht diese Erfahrungen so relevant und welche Ängste verbinde ich damit?
5. Mischen sich generelle Sorgen (z.B. in Bezug auf die Zukunft des Kindes / unsere Beziehung) in mein Denken und Handeln?
Ich hoffe, ich konnte Euch einige neue Denkanstöße mit auf den Weg geben und würde mich freuen, wenn ihr Eure Erfahrungen in den Kommentaren hinterlasst. Ihr wünscht Euch eine individuelle Unterstüzung bei der Bearbeitung all dieser und anderer Punkte? Gern helfe ich Euch in einem Coaching weiter. Einfach klicken:
